Dienstag, 22. August 2017

„Weserbeatz – Nazis aus dem Takt bringen“ Open Air Festival in Nienburg erfolgreich - trotz Regen




"Am Samstag fand zum ersten Mal das „Weserbeatz – Nazis aus dem Takt bringen“ – Open Air Festival in Nienburg auf dem Bürgermeister-Stahn-Wall statt. Das generationsübergreifende Netzwerk aus verschiedensten zivilgesellschaftlichen Akteuren - von Gewerkschaften, selbstständigen (Jugend-)Gruppen und Vereinen - blickt auf einen erfolgreichen Tag, trotz des schlechten Wetters zurück. Von morgens bis zum späten Nachmittag hatte es fast ununterbrochen geregnet. Trotzdem ließen es sich viele BesucherInnen nicht nehmen auch schon morgens das buntes Programm aus Infoständen, Redebeiträgen, Kabarett, Entertainment und toller Musik zu besuchen. Als gegen Abend der Himmel langsam wieder blau wurde, füllte sich der Platz noch einmal zusätzlich. Insgesamt waren rund 600 BesucherInnen vor Ort.
© Paul Jütter
Bei dieser Gelegenheit möchten die OrganisatorInnen allen, die trotz des Regens zusammen mit ihnen gefeiert haben ein riesiges Dankeschön ausrichten!
© Eike Mustroph

Ulrike Kassube, die für den Runden Tisch gegen Rassismus und rechte Gewalt sprach, appellierte während der Auftaktreden: „Wenn Nazis sich in Nienburg zeigen und immer häufiger rassistische Äußerungen zu hören sind, darf die Zivilgesellschaft niemals schweigen, sondern muss immer ihren Widerspruch deutlich machen.“ Mit dem Festival wurde ein großes und wichtiges Zeichen gegen Neonazis, Rechtspopulismus und Diskriminierung, auch vor dem Hintergrund der anstehenden Wahlen, gesetzt.
Bereits jetzt hat das Netzwerk Ideen für weitere Veranstaltungen. Im nächsten Jahr soll beispielsweise die zweite Ausgabe vom Weserbeatz in Nienburg stattfinden.
Am Ende möchten wir noch einmal unseren Headliner KAFVKA zitieren: „Fick dein „Wir sind das Volk“-Geschrei! Es gibt kein Volk, du bist allein!“.

© Paul Jütter
Mit dabei waren: Against Racism Nienburg, Antifaschistische Aktion Nienburg, Attac, CJD Nienburg, DGB, DGB Jugend, EVG, GEW, IG Bau, IG BCE, IG Metall, Kreisjugendring Nienburg, NGG, Octoboost – Graphic- & Webdesign, PerspektivWechsel, Rockinitiative Nienburg e. V., Runder Tisch gegen Rassismus und recht Gewalt Nienburg, ver.di, Weser-Aller-Bündnis: Engagiert für Demokratie und Zivilcourage.
Gefördert durch: Das Weser-Aller-Bündnis: Engagiert für Demokratie und Zivilcourage im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ und das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung."



-Pressemitteilung des Weserbeatz-Teams

Mittwoch, 10. Mai 2017

Argumentationstraining gegen Stammtischparolen

Ein Angebot für Jugendgruppen, junge Erwachsene und Schüler*innen ab der 9. Klasse im Raum Nienburg.

Wir sind aktuell an unterschiedlichen Orten mit populistischen bis hin zu offen rechten und rassistischen Positionen konfrontiert. Aber was mache ich eigentlich wenn ein Bekannter am Kaffeetisch mal wieder sagt: „Ich hab ja nichts gegen Flüchtlinge, aber..."? 

Im Workshop werden sich die Teilnehmer*innen anhand von Übungen mit menschenfeindlichen und rechtspopulistischen Argumentationsstrategien auseinandersetzen, diese definieren und wirksame Gegenstrategien entwickeln.
Ziel ist es, durch verschiedene Methoden und Beispiele die Handlungssicherheit der Teilnehmenden im Alltag zu stärken.


Interessierte können sich unter against-racism-nienburg@gmx.de melden.


Montag, 8. Mai 2017

1. Mai – Podiumsdiskussion zum Thema „Nienburg als neuer Ort für Rechte?“

Wir dokumentieren hier den Text der Antifaschistischen Aktion Nienburg zum 1. Mai 2017.

"Am 1. Mai wurden wir als Antifaschistische Aktion Nienburg zum DGB-Fest in Nienburg eingeladen. Neben einem Infozelt und einer Kinderaktion, bei der Kinder Steine bemalen konnten, nahm eine unserer Aktivist*innen an der Podiumsdiskussiom zum Thema „Nienburg als neuer Ort für Rechte“ teil. Moderiert von Dr. Bettina Döhring vom Landesdemokratiezentrum nahmen auch Bürgermeister Henning Onkes und Jürgen Uebel von der Initiative „Bad Nenndorf ist bunt“ an der Diskussion teil.
Im Verlauf des Tages konnten wir auch mit einem Redebeitrag auf der Maikundgebung explizit auf die Notwendigkeit permanenter antikapitalistischer Arbeit in einem konsequenten Antifaschismus eingehen und so eine Brücke schlagen zwischen dem Thema des 1. Mai und dem Thema der Podiumsdiskussion.
Bild 1. Mai
Nach vielen Enttäuschungen, die wir in den letzten Monaten im Umgang der Stadt mit der rechten Szene erlebt haben, freuten wir uns über diese Möglichkeit, dem Bürgermeister offen sagen zu können, wie wir sein Handeln einschätzen und auch unsere Vorschläge für eine zukünftige Zusammenarbeit zu unterbreiten. Nachdem wir, als Antifaschistische Aktion Nienburg, seit dem Jahr 2014 auf ein drohendes Problem mit rechtsextremistischen Strukturen im Landkreis aufmerksam machten, passierte auf Seiten von Stadt, Verwaltung und Polizei nur wenig.

Bereits auf dem Altstadtfest 2015 gab es einen Übergriff von Rechtsextremen auf linke Aktivist*innen. Sie wurden verfolgt und bedroht, bis sie sich in ein Zelt der Rettungssanitäter*innen flüchten konnten. Hier gab es von Seiten der Polizei kein Verständnis. Dieser Abend endete für Linke mit einem Platzverweis, Rechte jedoch durften sich weiterhin frei durch die Stadt bewegen. Im selben Jahr bedrohte der Neonazi C. Siedler einen Aktivisten im Stadtgebiet. Bei einem Anruf bei der Polizei wurde dem Aktivisten vorgeschlagen, doch bitte zur Wache zu kommen, um eine Anzeige zu erstatten. Die gegenwärtige Bedrohung wurde außer Acht gelassen. Solche Vorkommnisse häuften sich in den letzten Jahren. Neonazis passten Aktivist*innen am Bahnhof ab, bei der Arbeit oder in der Stadt. Eine dauerhafte Bedrohungssituation ist das Bewegen in der Stadt Nienburg für jede*n von uns, deren*dessen Gesicht den Nationalsozialist*innen bekannt ist.
Im November letzten Jahres meldete der Freundeskreis Thürigen/Niedersachsen eine Demonstration durch Nienburg an. Die Gegenproteste waren groß – Während in der Innenstadt viele Bürger*innen bei der Veranstaltung „Vielfalt statt Einfalt“ ein Zeichen gegen Neonazis setzten, trafen sich am Bahnhof 300 autonome Aktivist*innen zur Demonstration gegen den Freundeskreis. Die eigentliche, angemeldete Route, die am Kundgebungsort der zivilgesellschaftlichen Organisation WABE enden sollte, wurde uns jedoch verwehrt. Die Demonstration lief ihre genehmigten 500m und löste sich dann am Rand der Innenstadt auf.Teile der Neonaziroute konnten so blockiert werden, dass diese ein wenig verlegt wurde. Durch die gesamte Innenstadt konnten die rund 40 Rechtsextremist*innen trotzdem laufen. Unter ihnen zwischen 5 und 10 Neonazis aus dem Stadtgebiet Nienburg.
Der nächste Aufmarsch Rechter in Nienburg am 28.01.2017: Die Partei „Die Rechte“ hatte einen Fackelmarsch durch Nienburg angemeldet – „Gegen Linke Gewalt.“ Während wir und andere zivilgesellschaftliche Bündnisse und Gruppen versuchten, einen Termin für diese Demonstration in Erfahrung zu bringen – Die Nazis mobilisierten nicht öffentlich – wurde dies von Seiten der Stadt mit allen Mitteln verhindert. Am Ende konnten über 30 Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet einen Tag nach dem Holocaust-Gedenktag mit Fackeln durch Nienburg spazieren. Es wurde eine Anzeige wegen Verherrlichung des Nationalsozialismus gegen einen der Redner gestellt. Nun zur Podiumsdiskussion: Bürgermeister Onkes hat eine Problematik mit der rechten Szene in Nienburg erkannt und das Handeln der Stadt und der Polizei scheint intern reflektiert zu werden.
Laut seiner Aussage positionieren sich sowohl Stadt und auch Polizei gegen Neonazis. Das Handeln im Januar, das Verschweigen eines Aufmarsches von Neonazis, scheint jedoch noch nicht als klarer Fehler erkannt worden zu sein. Stattdessen beruft sich Herr Onkes immer wieder auf das Neutralitätsgebot, dem er unterliegt.

Hierzu: Das Neutralitätsgebot ist für einen Bürgermeister, der sich gegen eine rechte Szene positionieren will und sich immer wieder Naziaufmärschen gegenübersieht, wahrscheinlich ein anstrengendes Konzept. Gleichzeitig wurde dies aber nicht eingehalten: Während im Januar eine große Anzahl an Rechtsextremen, darunter viele vorbestrafte Gewalttäter, durch Nienburg marschierten, war kaum Gegenprotest möglich. Nur durch aufmerksame Antifaschist*innen entdeckten wir die ungefähr 30 Wannen, die gegen Abend den Bahnhof abriegelten und nur durch einen Vorwand erfuhren wir von der Demonstration. So konnten lediglich 20 Menschen spontan eine Gegenkundgebung anmelden, während für den Morgen ungefähr 100 Menschen mobilisiert werden konnten. Ein zeitgleicher Protest hätte ein klares Zeichen setzen können – Dies war nicht der Fall. Unsere Seite, die sich für Menschenrechte, für Demokratie, für Toleranz und Vielfalt ausspricht, war anscheinend nicht vom Neutralitätsgebot geschützt – Auf jeden Fall nicht für die Stadtverwaltung und die Polizei. Unser Versammlungsrecht wurde beschnitten. Auch auf Menschen, die in das Feindbild der Rechten fallen, wurde nicht geachtet. Diesen Menschen wurde die Möglichkeit genommen, sich auf die Neonazis vorzubereiten, einzustellen oder sich zurückzuziehen, um aus der Gefahrenzone zu gelangen. Ein solcher Umgang mit Menschen, die grundlos in Hassfantasien der Rechten auftauchen, ist, vor allem im Hinblick auf die Geschichte, eine Farce.
Ob uns beim nächsten Naziaufmarsch, der vom Freundeskreis Thürningen/Niedersachsen – Sektion Nienburg bereits (wieder ohne Datum) angekündigt wurde, die Möglichkeit einer organisierten Gegenbewegung gelassen wird, bleibt offen – Wir sehen dem ganzen skeptisch, aber hoffnungsvoll entgegen.

Einen guten Blick hat der Bürgermeister ganz klar darauf, was gegen Nazis getan werden kann: Die Zivilgesellschaft muss sich positionieren, sie muss ein Zeichen gegen Rassismus setzen. Hier sind wir uns einig. Wir brauchen breitere Bündnisse, wir brauchen Zusammenhalt. Wie Jürgen Uebel sagte: Die Nazis sind froh, wenn wir uns zerstreiten. Das sollten wir ihnen nicht lassen. Hier jedoch die Frage: Wie soll sich eine Zivilgesellschaft gegen Nazis stellen, von denen sie nichts weiß? Es braucht eine klare Positionen städtischer Akteur*innen. Wenn ein Bürgermeister, die Presse, die Stadtverwaltung und die Polizei nicht klar darstellen, dass es ein Problem gibt und dass ganz Nienburg dazu angehalten ist, sich zu positionieren, fühlt sich die Bevölkerung auch nicht dazu berufen. Solange ein Problem nicht offen genannt wird, existiert es für viele Menschen nicht. Solange Politik und Presse die Naziaufmärsche verharmlosen, wird sich kaum jemand Gedanken darüber machen, etwas dagegen zu tun. Auch hier hatte Jürgen Uebel einen Rat: Für den Ruf der Stadt ist es viel unangenehmer, wenn Naziaufmärsche unkommentiert angenommen werden. Ein breites Bündnis und eine Verwaltung, die sich gegen Nazis stellen, sind um einiges attraktiver.
Leider haben wir auch nach der Diskussion nicht das Gefühl, dass eine Sensibilität für linke Aktivist*innen, die von rechter Gewalt betroffen sind, bei Stadt, Verwaltung und Polizei vorangebracht wird. Auf die Erzählungen von Beispielen, wie wir von der Polizei nicht ernst genommen wurden, ging Onkes ein. Er nannte diese „Einzelfälle, die schon mal passieren könnten“. Was nahezu eine Beleidigung ist, wenn man einbezieht, dass er in seinem Statement zuvor, für dialogische Arbeit plädierte, die uns voranbringen könne. So nur leider nicht. Immer wieder wurde erwähnt, dass die Polizist*innen ja nur Arbeitnehmer und Arbeitnehmer*innen seien, die unter ihrer Panzerung auch Menschen sind. Wir stimmen Ihnen zu, unter der Panzerung sind Menschen. Wir sind jedoch auch Menschen. Die Demonstrant*innen auf unseren Demonstrationen, die von der (städtischen) SPD gern als „schwarz gekleidete, gewaltbereite Zugereiste“ beleidigt werden, sind Menschen.

Hier möchten wir noch einmal klarstellen: Wir distanzieren uns nicht von Aktivist*innen, die sich solidarisch zeigen und einen Weg auf sich nehmen, um uns gegen die Nazis zu unterstützen. Hinter antifaschistischen Gruppen stecken meist junge Menschen, die sich seit frühen Jahren mit Politik beschäftigen. Es raubt einen großen Teil unserer Freizeit; viele Antifaschist*innen können sich, wie wir, nicht überall frei und unbeschwert bewegen. Wir alle leben mit dem Gedanken, dass wir gefährliche Feind*innen haben, die vor nichts zurückschrecken. Viele haben Angst davor, dass ihr Gesicht in Datenbanken der Nazis auftaucht – Denn sobald dies geschehen ist, ist man immer mindestens ein wenig paranoider. Es geht im Antifaschismus lange nicht ausschließlich um Militanz. Ein großer Teil unserer Arbeit ist theoretisch. Antifaschistische Gruppen sitzen oft und lange zusammen, diskutieren, welches Vorgehen in welcher Situation angebracht ist, beschäftigten sich mit Gesellschaftstheorien, mit aktuellen Nachrichten, mit Recherche. Wir kämpfen für Menschenrechte, für Solidarität, für Gerechtigkeit. Wir kritisieren das Ganze, immer wieder.Polizist*innen sind Menschen, die bei Dienstantritt ihre Meinung, ihre Individualität und ihre Empathie ablegen. Für sie, wie für viele Menschen, ist „Die Antifa“ eine gewalttätige, schwarze Masse. Wenn wir Polizist*innen als individuelle Menschen annehmen sollen, während sie in Panzerung, Vermummung und Helm bewaffnet vor uns stehen – Dann muss dringend etwas im Umgang mit linken Protesten geschehen. Herr Onkes, Sie sprachen immer wieder davon, dass wir in einen Dialog treten müssen. Wir sind dazu bereit. Wir engagieren uns in verschiedenen Bündnissen, wir sind im runden Tisch gegen Rassismus vertreten. Wir freuen uns, wenn die Stadtverwaltung eine neue Rolle im Kampf gegen rechte Strukturen einnimmt, wenn wir mit der Unterstützung von Stadt, Politik und gemeinsam mit der Zivilgesellschaft gegen Neonazis kämpfen. Wir müssen nicht die selbe Aktionsform haben – Jedoch müssen wir miteinander sprechen, damit sich Naziaufmärsche in Nienburg nicht etablieren.
Damit Nienburg nicht braun wird. Damit Nienburg bunt und weltoffen sein kann, Kulturfeste, wie das gestrige, ohne Angst stattfinden können, sich jede Nationalität zuhause fühlt und wir Solidarität leben." - Antifaschistische Aktion Nienburg

Sonntag, 23. April 2017

1. Mai in Nienburg

Am 1. Mai findet das Politische Frühstück des DGB in Nienburg statt. Bei der Podiumsdiskussion geht es dieses Jahr um die Frage "Nienburg als neuer Raum für Rechte?".
Mit dabei sind Annika M. von der Antifaschistischen Aktion Nienburg, Jürgen Übel vom Bündnis gegen Rechtsextremismus Bad Nenndorf und der Bürgermeister Henning Onkes.

Against Racism wir mit einem Stand am Kulturprogramm teilnehmen. Unsere Broschüren haben wir natürlich auch dabei. Kommt gerne rum!


Mittwoch, 15. März 2017

Pressemitteilung: Vortrag "RechtsRock - Begleitmusik zu Mord und Totschlag" von Jan Raabe in Nienburg



Am 13.03.2017 fand am Abend eine von der Jugendgruppe Against Racism Nienburg organisierte Veranstaltung mit dem Thema „RechtsRock – Begleitmusik zu Mord und Totschlag“ im CJD Nienburg statt. Der Referent Jan Raabe informierte die etwa 20 Teilnehmer*innen dabei noch einmal speziell über rechten Rap mit Hilfe von Soundbeispielen und Liedtexten. 
  

RechtsRock - was ist das eigentlich? Und was hat das mit Nienburg zu tun?


Im Landkreis Nienburg wohnt seit Jahren der ehemalige westfälische Sektionsleiter des seit 2000 verbotenen, rechtsextremen Netzwerks „Blood & Honour“ (englisch für „Blut und Ehre“), Dirk F. Das weltweite Netzwerk hatte es sich u. a. zur Aufgabe gemacht hat, neonazistische Bands zu koordinieren und die nationalsozialistische Ideologie zu verbreiten. Vor einigen Jahren hatte Dirk F. versucht ein Neonazi-Konzert in Leese zu veranstalten.
Auch die derzeitige Neonaziszene in Nienburg ist auf RechtsRock-Konzerten anzutreffen, wie beispielsweise beim „Eichsfeldtag“ 2016, einem Rechtsrock-Open Air, das die NPD einmal im Jahr veranstaltet. Gefallen finden die lokalen Neonazis auch an rechtem Rap. Hier finden sich Sympathien zu „Makss Damage“ oder „Mic Revolt“.
Zudem sind Mitarbeiter*innen des Maßregelvollzugs im Landkreis nach eigenen Aussagen oft mit rechter Musik konfrontiert. 

©ENDSTATION RECHTS. (Symbolbild/RechtsRock-Open-Air 
am 09.08.2014 im thüringischen Sondershausen)
Der Begriff „RechtsRock“ bezieht sich nicht auf ein, wie auf den ersten Blick vielleicht gedachtes, Genre, sondern auf alle Musikstile die neonazistische Inhalte verbreiten. Pro Jahr erscheinen momentan etwa 100 professionell produzierte Tonträger deutscher Neonazi-Bands.
Seinen Anfang hat der RechtsRock in den 80er Jahren in England. Dort trafen rassistische und neonazistische Inhalte auf junge Leute, die Punk-Musik machten. Diese Inhalte wurden über Musik mittels entsprechender Texte umgesetzt. Äußerlich waren Beteiligte oft mit der Skinhead-Szene verbunden, die ein Schläger-Image hatten. Dies bot später für Jugendliche keine wirkliche Attraktivität mehr. Im Laufe der Zeit begeisterten sich aber auch Personen aus der Black-Metal-Szene für neonazistische Inhalte, legten den Stil der eigenen Szene aber nicht ab, sondern integrierten rechte Inhalte und Symbole in diesen. 

Nach dem Mauerfall 1989 fielen auch Hemmungen in der RechtsRock-Szene. Das Gefühl alles zu dürfen und sagen zu können wird in dem 1990 veröffentlichten Lied „Hakenkreuz“ der Band „Radikahl“ deutlich. Im Lied wird sich offen zu Adolf Hitler bekannt und gefordert „Hängt dem Adolf Hitler den Nobelpreis um!“. Die Konzertorte zu dieser Zeit lagen überwiegend in den neuen Bundesländern. Die durch die Wiedervereinigung entstandene Verunsicherung der Polizei über die rechtliche Lage schuf hier einen fast rechtsfreien Raum. So fanden viele rechte Konzerte ebenda statt. Wenig später fanden allerdings schon die ersten Hausdurchsuchungen und Gerichtsverfahren gegen RechtsRock-Bands statt.
Im Zuge dieser Entwicklung lassen Bands ihre Liedtexte durch Anwält*innen prüfen, sodass diese knapp unter die Grenze zur Volksverhetzung fallen. So können sie ihre CDs legal verkaufen und Geld verdienen. Die „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ hat allerdings noch die Möglichkeit die Texte als jugendgefährdend einzustufen. 

Ab 2000 wurde der Nazi-Hardcore in der deutschen Szene populär. Hardcore kommt ursprünglich aus einer linken, sozialkritischen Bewegung. Neonazis waren aber nicht nur vom Genre, sondern auch von der Inszenierung fasziniert. So wurde eine neue Ästhetik gefunden, die an die moderne Jugendkultur anknüpfte. Als Nazi war es nun auch in Ordnung Kapuzenpullis zu tragen und sich zu piercen. Das stieß natürlich nicht von Anfang an auf Sympathien bei der gesamten rechtsextremen Szene, allerdings wurde das große Mobilisierungspotenzial über den neuen Stil gesehen.
Rechte Musik gab es natürlich schon davor, sie bot aber kaum Anknüpfungspunkte für eine moderne Jugendkultur. RechtsRock war also kein Ergebnis einer rechten Strategie, auch wenn dieser strategisch genutzt werden kann und wird um junge Leute anzusprechen. Beispielsweise nutzt die NPD RechtsRock auf Schulhof-CDs, die kostenlos an Schüler*innen verteilt werden, klar als Strategie um neue Mitglieder anzusprechen. Gerade für junge Menschen in der rechten Szene ist Musik ein wichtiger Teil der Identität und Identifizierung.

Zurzeit bieten rassistische Proteste Musiker*innen aus dem RechtsRockbereich Anknüpfungspunkte zwischen Neonazis und „Wutbürger*innen“. Bands wie „Kategorie C“ aus Bremen schlagen Brücken von der rechten zur Hooligan-Szene. 


Neonazis und Rap?

Rechten Rap gibt es als Phänomen erst seit ein paar Jahren. 2003 brachte die Band „Dissau Crime“ eines der ersten rechten Rap-Alben heraus. Rap und HipHop sind ursprünglich migrantisch geprägt und kommen aus der afroamerikanischen Kultur. Darum trifft Nazi-Rap auch in großen Teilen der rechten Szene auf Ablehnung. Allerdings wird erkannt, dass Rap bei Jugendlichen beliebt ist und als Mittel genutzt werden kann, ein junges Publikum mit rechten Inhalten anzusprechen. So versuchten sich mehrfach rechte Musiker, die sonst in der Hardcore oder Rock-Szene unterwegs waren, auch am Rap, auch wenn sie mit der Musikrichtung selbst nicht sympathisierten. Dadurch waren diese Songs technisch allerdings oft weniger gut. 

Ende 2016 fand sich in der Hitliste der RechtsRock-Alben des rechtsextremen Medienportals „fsn.tv“, die mittels Abstimmung der Leser*innen erstellt wird, auf dem 2.Platz ein Album des Rappers „Makss Damage“. 
Wie kommt ein Nazi-Rap-Album also auf eine so hohe Platzierung, obwohl das Genre in der eigenen Szene auf geringe Sympathie stößt?

Makss Damage hat in Bezug auf rechten Rap eine besondere Rolle. Der ehemalige Stalinist machte vorher in der linken Szene auf sich aufmerksam. Schon damals waren seine Texte sexistisch und antisemitisch geprägt bevor er sich dann dem Rechtsextremismus zuwandte. Technisch sind seine Songs gut gemacht, damit er aber in der rechten Szene ernstgenommen wird, musste er härtere und deutlichere Liedtexte schreiben. Im Gegensatz dazu kann meist gesagt werden, dass, je schlechter die Band ist, desto „krasser“ die Songtexte sein müssen, um bekannt zu werden. Umgekehrt müssen technisch gute Bands eher weniger auf deutliche Aussagen abzielen um eine breite Masse anzusprechen. 

Nach Raabes Einschätzungen wird Rap nicht das Sprachmittel der Rechtsextremen werden, in den nächsten Jahren ist ein Anstieg der Platten mit rechtem Rap aber wahrscheinlich. Versuche den Modestil des Rap in der rechten Szene zu etablieren sind gescheitert. Rap wird aber als Mittel angesehen, neue jugendliche Zielgruppen anzusprechen und ist bei jungen Neonazis, wie bei den sogenannten „Autonomen Nationalisten“, die in Auftreten und Aktionsformen bewusst die linke autonome Bewegung kopieren, durchaus beliebt.
Während des Vortrags gab es einen kurzen Störversuch durch lokale Neonazis.

Die Veranstaltung wurde durch den Jugendaktionsfonds im Rahmen des Bundesprogramms „DEMOKRATIE LEBEN!“ gefördert.